Gestationsdiabetes: Schwangerschaft als Auslöser für Diabetes mellitus
Als Gestationsdiabetes (oder Schwangerschaftsdiabetes) bezeichnet man eine Stoffwechselstörung der Kohlenhydrate, die erstmalig während der Schwangerschaft auftritt bzw. erkannt wird. In Deutschland wird diese Form des Diabetes bei etwa 5-10% der Schwangeren beobachtet. Wird ein solcher Gestationsdiabetes rechtzeitig erkannt und behandelt, kann das Risiko für Mutter und Kind weitgehend minimiert werden. In 85% aller Fälle genügt als Therapie bereits eine vollwertige, gesunde Ernährung. In 15% der Fälle muss man jedoch zusätzlich Insulin geben. Durch den zurzeit üblichen Harnzuckertest werden allerdings nur 0,2% der Schwangeren mit Gestationsdiabetes entdeckt. In den meisten Fällen verschwindet der Diabetes nach der Schwangerschaft wieder. Allerdings hat ein Teil dieser Frauen ein erhöhtes Risiko, später in ihrem Leben an Diabetes zu erkranken: Ca. 30% der Betroffenen entwickeln nach 10 Jahren einen Diabetes, meist einen Diabetes Typ 2.
Ursachen des Gestationsdiabetes
Die Ursachen des Gestationsdiabetes liegen einerseits an verschiedenen Schwangerschaftshormonen, die den Blutzuckerspiegel erhöhen können (z.B. Östrogen, humanes Plazentalaktogen). Andererseits spielt unausgewogene Ernährung als Ursache eine Rolle. Die Ausschüttung von Insulin erfolgt verzögert und die Empfindlichkeit der Organe für Insulin ist herabgesetzt. Die Folge sind erhöhte Blutzuckerwerte nach den Mahlzeiten.
Risikofaktoren für Gestationsdiabetes
Ein erhöhtes Risiko für Gestationsdiabetes besteht bei folgenden Risikofaktoren:
- Übergewicht
- Diabetes in der engeren Familie
- Eigenes Geburtsgewicht höher als 4.000g
- Wiederholte Fehlgeburten
- Vorausgegangene Geburt mit mehr als 4.000g.
Folgen für Mutter und Kind
Ein Gestationsdiabetes verläuft meist ohne die typischen Diabetes-Symptome und betrifft eher die kindliche Entwicklung und die Geburt. Durch die erhöhten Blutzuckerwerte produziert das Ungeborene vermehrt Insulin, wodurch verstärkt Zucker und Fett im Körper gespeichert werden. In der Folge wird das Kind dicker und größer (Makrosomie). Gleichzeitig produziert das Kind mehr Urin, wodurch sich die Fruchtwassermenge erhöht (Hydramnion). So steigt das Risiko für eine Frühgeburt und die Größe des Kindes kann die Geburt erschweren. Frauen mit Gestationsdiabetes werden daher häufiger per Kaiserschnitt oder Saugglocke entbunden. Weil außerdem die Durchblutung des Mutterkuchens und somit die Sauerstoffversorgung des Kindes gestört sein kann, haben die Kinder ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Neugeborenengelbsucht (Ikterus). Außerdem besteht während der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte und Bluthochdruck.
Diagnose des Gestationsdiabetes
Die bisher übliche Urinuntersuchung im Rahmen der Schwangerenvorsorge ist zur Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes zu ungenau. Verschiedene Fachgesellschaften empfehlen deshalb einen generellen
Suchtest bei Schwangeren zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche. Bei Vorliegen von Risikofaktoren für einen Gestationsdiabetes sollte der Diagnose-Test schon im ersten Schwangerschafts-Drittel, d.h. in den ersten zwölf Wochen, durchgeführt werden. Dabei wird der Frau ein Glukosetrunk mit 50g Glukose verabreicht und eine Stunde später der Blutzucker gemessen. Liegt der Blutzucker über 140mg/dl (7,8mmol/l) (kapilläres Vollblut), besteht der Verdacht auf Gestationsdiabetes und es empfiehlt sich die Durchführung eines
Oralen Glukosetoleranztests (OGTT) mit 75g Glucose. Von einem Gestationsdiabetes spricht man, wenn bei 2 oder 3 Kontrollen die Grenzwerte für den Blutzucker überschritten werden.
Verlauf: gute Stoffwechseleinstellung ist wichtig
Sobald die Diagnose Gestationsdiabetes klar ist, muss eine gute Stoffwechseleinstellung erfolgen. Wichtig sind körperliche Bewegung, gesunde Ernährung und regelmäßige Blutzuckerkontrollen. In manchen Fällen ist eine Therapie mit Insulin notwendig. Mit einer guten Einstellung lässt sich das Risiko für die Schwangere und das Kind auf das einer normalen Schwangerschaft senken.
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Autoren und Quellen
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Autor/in: Vitanet GmbH
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Quellen: Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft: Definition, Klassifikation und Diagnostik des Diabetes mellitus, Stand 10/2004
- Deutsches Diabetes-Zentrum Düsseldorf
- Gestationsdiabetes.de
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Erstellungsdatum: 12.06.2006
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Aktualisiert am: 02.03.2007
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